Sarah Buchli

„What’s your Story“

Wer sagt denn, dass es all die Kreativen, die Künstler, die Jung-Unternehmer und die Quer-Denker weg vom Land, hinein in die Städte dieser Welt zieht? Wer behauptet, wir auf dem Land seien träge, zögerlich, immer ein paar Jahre zu spät dran? Sleepless Sheep porträtiert in der neuen Rubrik „What’s your Story“ interessante, spannende, authentische Menschen unserer Region, die viel Herzblut in ihr Projekt stecken und uns inspirieren. Möge sich „What’s your Story“ fleissig vermehren und verbreiten und ganz viele Menschen inspirieren.

Sarah Buchli, Yoga-Teacher, Yoga-Werkstatt in Buchs

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Ausgebildete Tänzerin, Visagistin, zertifizierte Yoga-Lehrerin, Yoga-Übende, Meditierende, Mutter: Vor bald zwei Jahren erfüllte sich Sarah Buchli ihren Traum vom eigenen Yoga-Studio. In ihrer Yoga-Werkstatt – einer ehemaligen Werkstatt unmittelbar bei einer Tankstelle in Buchs – begeistert sie seither ihre Yogis und Yoginis. Sarah Buchli lebt Yoga. Ihre Lektionen gehen über das Körperliche hinaus. Und doch steht die dreifache Mutter mit beiden Füssen fest auf dem Boden. „Mir ist klar, dass ich die alten Yoga-Traditionen in die heutige Zeit übersetzen muss“, sagt sie. So sehr sie in ihrer Aufgabe als Yoga-Lehrerin aufgeht, Sarah Buchli ist weit mehr als das. Ihre Neugier und ihr offenes Wesen treiben sie immer weiter an. Einen anderen Blick auf sich und die Welt erhaschen, Neues lernen, raus aus der Komfortzone, den Horizont erweitern, fremde Länder, Städte, Kulturen entdecken und vor allem sich selber und die Sache nicht ganz so ernst nehmen, das sind nur einige ihrer Ansprüche an sich selbst.

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Sleepless Sheep: Sarah, erinnerst du dich an deine erste Yoga-Stunde?
Sarah Buchli: Oh ja, ich erinnere mich sehr gut. Das war in der Tanzschule in der ich damals studierte. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits spürte ich, dass da etwas ist, das nicht nur – wie im Tanz – auf die äussere Form ausgerichtet ist. Da war etwas, das mir wirklich gut gefiel. Andererseits war mir dieses Yoga doch irgendwie suspekt. Naja, meine Mutter machte Yoga. Und als junge Frau anfangs 20 war es nicht sehr cool, etwas zu mögen, das die eigene Mutter mag.

Wann wurde dir bewusst, dass du nicht nur Yoga konsumieren, sondern auch selber unterrichten möchtest?
Als ich schwanger wurde und nach dem dritten Monat nicht mehr auf der Bühne tanzen konnte, weil ich unglaublich schnell unglaublich viel Gewicht zugelegt hatte, versuchte ich es nochmals mit Yoga. Ich weiss nicht, ob es auch am Chrüsimüsi an Hormonen in meinem Körper lag oder an der bevorstehenden Mutterschaft, aber Yoga hat mich ab jenem Zeitpunkt nicht mehr losgelassen. Endlich fand ich zurück zu meiner – als Kind sehr stark gelebten – Spiritualität, zu dieser Verbindung mit meinem Körper. Und als ich eine wunderbare Schwangerschaft und Geburt erfahren durfte, bin ich eines Nachts aufgewacht und hatte diese klare Stimme in meinem Ohr. Von da an wusste ich: diesen Schatz darfst du nicht nur für dich behalten. Das willst du weitergeben. Und du willst weiterlernen. Ich glaube, dass alles was wir unterrichten, auch immer eine Aufforderung an uns ist, weiter zu lernen.

Hast du so was wie einen Mentor? Ein Vorbild?
Ich liebe die alten Yoga-Philosophien, lese unglaublich gerne über die alten Yoga Meister. Aber es ist mir sehr bewusst, dass ich diese Traditionen in die heutige Zeit übersetzen muss. Es gibt wundervolle Yoga-Lehrer, die mir auf meinem Weg eine Inspiration und Stütze waren. Zum Beispiel Ana T. Forrest oder Kathryn Budig, deren Humor ich verehre. Oder Baron Baptise, der mir das Vinyasa Yoga ins Herz pflanzte.

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Was brachte dich eigentlich vom Fricktal in die Ostschweiz, nach Grabs?
Mein Mann und ich haben beide in Zürich gearbeitet. Alles lief gut und doch wollten wir eine Veränderung, raus aus der Hektik. Mein Mann hat sich dann für eine Stelle in Vaduz beworben und so sind wir im Dezember vor zehn Jahren, einen Monat bevor unsere Tochter zur Welt kam, nach Buchs gezogen. Angekommen bei schönstem Winterwetter dachten wir, wir seien in den Ferien angekommen. Ich erinnere mich, viele Mittagspausen auf unserem damaligen Balkon verbracht und zu den verschneiten Bergen hochgeschaut zu haben. Glücklich waren wir und sind es heute noch.

Was gibt dir Yoga?
Das ist schwierig in Worte zu fassen. Yoga bringt mir immer wieder ein tieferes Verständnis für mich als Mensch und für meinen Körper. Ich lerne meinen Körper zu mögen, auch in seiner Unperfektheit. Ich kann auf der Matte meine Spiritualität in den Körper hineinholen, also quasi fassbar und erfahrbar machen. Yoga gibt mir nicht nur auf der Matte etwas, sondern auch – wenn nicht sogar vor allem – in meinem Alltag als Frau und Mutter. Durch Yoga habe ich diese wilden Affen in meinem Kopf etwas beruhigen und zähmen können. Sie bedrohen mich nicht mehr so sehr.

Was möchtest du deinen Yoga-Schülern vermitteln?
Meinen Yogis und Yoginis möchte ich vor allem ein gutes und liebendes Gefühl für den eigenen Körper vermitteln. Es ist mir super wichtig, dass die Leute, die zu mir in die Stunde kommen, sich diese Zeit auf der Matte zum Geschenk machen, in eine gute Beziehung zu sich selbst treten, sich besser kennenlernen, nicht nur körperlich, auch emotional und mental. Die Yogastunde soll auch ein Ort sein, wo nichts unterdrückt sondern gefühlt werden kann, wo Tränen fliessen dürfen, wo auch laut gelacht oder gestöhnt werden darf. Heraus kommen aus dem Denken, eintauchen ins Gefühl.

Welche Facetten stecken noch in dir?
Ich fahre unglaublich gerne schnell Auto, koche für mein Leben gerne, liebe es, totalen Non-Sense zu machen und mich darüber kaputt zu lachen. Ich wäre gerne Schauspielerin, um mich so richtig mit anderen Geschichten und Personen zu befassen und mich ganz in sie hineinzufühlen. Ich mag die Natur, aber genau so gerne entdecke ich fremde Städte.

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Was inspiriert dich?
Ausgelassende Abende mit meinen Freundinnen oder Schwestern. Musik. Dancing into ecstasy! Menschen. Städte. Bücher.

Was machst du gerne in deinen freien Momenten?
Ich meditiere, lese, schreibe und treffe Freundinnen zum Kaffee. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Kindern und meinem Mann.

Welches sind deine nächsten Projekte?
Ich möchte gerne vermehrt Yoga-Workshops – vielleicht sogar Wochenend-Retreats – anbieten, damit die Leute mal tiefer eintauchen können. Im Mai 2015 werde ich bei der Schloss Medialen auf Schloss Werdenberg mitwirken, darauf freue ich mich sehr. Ich habe viele Ideen: Yoga für Teenager, Yoga für ältere Menschen, Meditation und Yoga für Business… ich bin selber gespannt, was das Neue Jahr bringt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Text: Sleepless Sheep
Text und Bilder: Sleepless Sheep, Sarah Buchli

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