Soulfood Buchs

„What’s your Story“

Wer sagt denn, dass es all die Kreativen, die Künstler, die Jung-Unternehmer und die Quer-Denker weg vom Land, hinein in die Städte dieser Welt zieht? Wer behauptet, wir auf dem Land seien träge, zögerlich, immer ein paar Jahre zu spät dran? Sleepless Sheep porträtiert in der neuen Rubrik „What’s your Story“ interessante, spannende, authentische Menschen unserer Region, die viel Herzblut in ihr Projekt stecken und uns inspirieren. Möge sich „What’s your Story“ fleissig vermehren und verbreiten und ganz viele Menschen inspirieren.

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Andy Schwarz, Soulfood, Buchs

Am Anfang war da nur diese Tafel am Strassenrand. Weisse Kreide auf schwarzem Schiefer. Soul. Food. lautete die Aufschrift. Schlicht und simpel. Ich weiss nicht mehr, wie oft ich an dieser Tafel vorbeigefahren war, als meine Freundin eines Tages nach der Yoga-Stunde spontan sagte: „Lass uns auf einen Kaffee ins Soulfood gehen.“ So parkten wir auf dem Parkplatz vor dem Brockenhaus an der Wiedenstrasse in Buchs und gingen die paar Schritte zu Fuss zwischen den Lagerhallen der ehemaligen Teppichfabrik hindurch, dorthin, wo seit vielen Jahren der Krempel-Club beheimatet ist. Doch anstatt die wenigen Treppenstufen zum Club hinunterzusteigen, stiegen wir wenige Stufen hoch. Schon beim Betreten des Lokals wurde uns klar: Hier ist etwas für die Region Einmaliges entstanden: Eine grosse Halle im Industrieschick tat sich vor uns auf. Kühler Betonboden in Kombination mit Holz, eigenwillig arrangiert. Grosszügige Fenster, wenig Deko, alles sehr clean, schlicht, urban. Ein Lokal der Art, das man normalerweise beim Schlendern in Städten entdeckt und sich fragt: „Warum bloss, warum hat keiner den Mumm so etwas bei uns auf dem Land aufzuziehen?“ Andy Schwarz hat es gewagt.

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Sleepless Sheep: Andy, ich dachte immer, hier auf dem Land kenne sich jeder. Aber ich muss gestehen, ich habe dich noch nie gesehen, bevor ich zu dir ins Soulfood kam. Kannst du mir ein bisschen was über dich erzählen?
Andy Schwarz: Gerne. Ich bin in Zürich aufgewachsen und lebe seit neun Jahren mit meiner Familie in Liechtenstein, in Balzers. Ich bin Vater von zwei prächtigen Kindern, einem Bub und einem Mädel im Alter von 13 und 14 Jahren.

Wann entstand die Idee, dein eigenes Restaurant zu eröffnen?
Das war vor rund acht Jahren.

Du warst aber vorher schon in der Gastronomie tätig, oder?
Gar nicht (lacht.) Ich war Schreiner und 25 Jahre lang im Innenausbau tätig.

Okey, diesen Wandel musst du mir jetzt aber erklären…
Sieben, fast acht Jahre lang hat die Idee eines eigenen Lokals in mir gegärt. Aber die Umstände haben einfach nie gepasst. Aber doch blieb die Idee immer aktuell. Ende 2012 haben mich meine Freunde motiviert: „Mach mal was!“. Anfangs 2013 dachte ich, ich könnte ja mal mit einem Mittagstisch anfangen, denn dieser Raum hier, diese Fabrikhalle, dient ja schon seit über zehn Jahren dem Gospelhouse und ist grösstenteils ungenutzt. Er wird zwar unter der Woche abends für Bands genutzt, am Freitagabend für das Rockhouse und jeweils am Sonntag für die Church. Ansonsten war dieser Raum aber leer.

Wie ging es weiter?
Mein ehemaliger Arbeitgeber hat entschieden, seinen Laden dicht zu machen und uns mitgeteilt, dass wir einen neuen Job suchen sollten. Das war der Auslöser. Denn manchmal muss man – um etwas Neues anzufangen – einen Strich unter das Alte ziehen. Sonst wird das nie was.

Wie kamst du auf den Namen Soulfood?
Das war mir schon damals klar, als ich die Idee bei meinem Kollegen auf dem Sofa erstmals geäussert hatte. Ich fand den Namen einfach cool.

Was will uns der Name sagen?
Soulfood ist eigentlich das Essen aus den Südstaaten und bedeutet feines, vielseitiges, gutes, lässiges Essen mit vielen Gewürzen. Soulfood bedeutet auch üppiges Essen, viel Essen. Andererseits steht Soulfood auch für das Zusammenkommen. Essen soll Menschen zusammenbringen, so dass sie gemeinsam eine gute Zeit verbringen. Soulfood bedeutet also gutes Essen in guter Gesellschaft.

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Der Soulfood-Style hebt sich in der Region von anderen Lokalen ab. Nicht nur von der Einrichtung, sondern auch vom Angebot her. Was hat dich dazu inspiriert?
Ein Freund von uns – derselbe, der für das ganze Layout der Speisekarten und für das Logo zuständig ist – ist auch für das Aussehen des Lokals zuständig. Wir sind Städtefreaks und haben schon viele Trips gemeinsam unternommen. Dabei sind wir immer wieder auf umgebaute Fabrikhallen gestossen. Alte Hallen und dieser urbane Industrieschick haben mir schon immer gefallen.

Ist dein Restaurant so geworden, wie du es dir erträumt hast?
Viel besser! Und bald wird auch eine Freundin von uns, eine Künstlerin die momentan noch in Berlin lebt, in unsere Gegend ziehen. Sie wird dann für unseren kulturellen und künstlerischen Bereich zuständig sein und ihre Ideen einbringen. Wir besuchen bei unseren Städtetrips ja auch sehr gerne Galerien und Museen und möchten auch diesen Aspekt in unser Lokal einfliessen lassen.

Überhaupt arbeiten in diesem Restaurant ganz viele Leute mit. Klar, es ist mein Baby, aber es gibt eben ausser mir noch ganz viele Leute die das alles mittragen und ihre Ideen einbringen. Ohne die wäre es wohl ziemlich trist und öde hier (lacht.). Es gibt so viele kreative Menschen mit guten Ideen hier in der Gegend. Ohne all die Hilfe hätte ich vermutlich nach den ersten paar Monaten wieder schliessen müssen. Mittlerweile durfte ich wieder in meine Ruhe reinkommen, denn ich war am Anfang teilweise schon sehr unter Druck und nicht entspannt. Auch Jesus hat mir da sehr geholfen. Ohne Jesus geht es bei mir und meinen Freunden nicht.

Gab es auch Widerstände? Leute, die dir von deinem Plan abgeraten haben?
Widerstände gab es eigentlich keine. Aber Leute, die mir von meinem Plan abgeraten haben, das gab es schon. Viele sagten, sie würden in der heutigen Zeit und vor allem an diesem Ort – etwas abgelegen in einer alten Halle – kein Restaurant eröffnen.

Aber?
Aber wir sind ja nicht so abgelegen, sondern nur fünf Minuten von der Bahnhofstrasse entfernt und somit eigentlich recht zentral gelegen.

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Hast du nie daran gedacht, zurück nach Zürich zu gehen und deinen Plan dort zu verwirklichen?
Ich bin in Zürich aufgewachsen und war eigentlich fast mein Leben lang dort. Aber schon nach drei Jahren – als ich schon hier gelebt aber noch in Zürich gearbeitet habe – wurde mir die Hektik der Stadt zuviel. Ich wollte und brauchte das nicht mehr.

Bist du eigentlich auch ein guter Koch?
Ich bin ein grosser Genussmensch und esse sehr gerne speziell und anders. Als ich 16 Jahre alt war nahm mich ein Freund mit in ein italienisches Restaurant. Dort hat eine wunderbar freundliche, rundliche Dame für uns gekocht. Es war ein Erlebnis. Damals ging für mich die grosse Welt des Essens auf.Ich koche gerne selber, aber im Soulfood überlasse ich das Kochen den Profis. Momentan sind das Freunde aus Grossbritannien.

Bei dir wird die Gastfreundschaft gross geschrieben. Wieso ist dir das so wichtig?
Ich freue mich über jeden Gast und ich liebe es, Gäste zu bewirten. Ich finde es lässig und wichtig, dass sich die Gäste hier wohl fühlen. Es soll im Soulfood nicht nur um Nahrungsaufnahme gehen. Deshalb haben wir auch spezielle Produkte und Menüs für die Gäste ausgesucht. Ob das von den Südstaaten oder Britannien oder Marokko inspiriert ist… Hauptsache, es ist anders und speziell und fein. Bei uns ist auch alles hausgemacht, was irgendwie möglich ist. Das ist uns ein grosses Anliegen.

Wieso, glaubst du, ist das nicht in allen Restaurants so?
Es gibt definitiv mehr Arbeit und die Margen sind natürlich kleiner, weil die regionalen Produkte zuweilen teurer sind. Das heisst, ich verdiene weniger und habe dafür mehr Arbeit. Aber egal, ich muss 100 Prozent hinter meinen Produkten stehen, sonst geht’s nicht. Wieso sollte ich dasselbe anbieten, das es sonst auch überall gibt? Es macht viel Spass, besondere und feine Produkte zu entdecken. Ich war ja auch lange im Aussendienst tätig und habe oft auswärts gegessen – in 95 Prozent der Restaurants gibt’s dasselbe Angebot. Da rast du in der Schweiz rum und du bekommst überall das Gleiche. Das reizt mich nicht.

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Was sind deine Ideen und Träume mit Soulfood?
Momentan freue ich mich über das Lokal so wie es ist. Aber es soll sich ja immer alles weiterentwickeln. Ich bin da offen. Gerne werde ich in Zukunft Musik und Kulinarik vermischen. Vielleicht gibt’s zum Beispiel mal ein Blueskonzert in Verbindung mit einem üppigen amerikanischem Frühstück. Ideen gibt’s ganz viele.

Und was machst du gerne in deiner Freizeit?
Momentan bin ich sechs Tage die Woche hier und habe nicht viel Freizeit. Aber wenn, dann flaniere ich gerne durch Feldkirch, Bregenz oder die Altstadt von Chur. Ich mache auch jeden Montagabend Musik, spiele Gitarre seit etwa 30 Jahren. Das ist mein heiliger Montagabend mit den Jungs. Musik ist mir sehr wichtig. Ich höre gerne Vinyl-LP’s mit Musik aus den 50er, 60er, 70er Jahren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bilder: soulfood
Text: Sleepless Sheep
www.soulfood-buchs.ch
www.sleepless-sheep.com

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