Lili’s Naturkosmetik

What’s your Story

Wer sagt denn, dass es all die Kreativen, die Künstler, die Jung-Unternehmer und die Quer-Denker weg vom Land, hinein in die Städte dieser Welt zieht? Wer behauptet, wir auf dem Land seien träge, zögerlich, immer ein paar Jahre zu spät dran? Sleepless Sheep porträtiert in der Rubrik „What’s your Story“ interessante, spannende, authentische Menschen unserer Region, die viel Herzblut in ihr Projekt stecken und uns inspirieren. Möge sich „What’s your Story“ fleissig vermehren und verbreiten und ganz viele Menschen inspirieren.

# Porträt 4

Lili Olujic

„Das Schwierigste an diesem Prozess war, ihn auszuhalten“

Eines ist klar: Lili Olujic hat sich nicht für den einfacheren Weg entschieden. Anstatt ihren Lebensunterhalt in einem Büro als Angestellte zu verdienen, setzte sie alles auf eine Karte und machte sich selbständig. Ihren ersten Versuch startete sie im Jahr 2010. Nach zahlreichen Weiterbildungen eröffnete die kaufmännische Angestellte damals ihre Praxis für Ayurvedatherapie und Naturheilkunde. Doch anstatt richtig durchzustarten, fiel sie privat in ein tiefes Loch. „Das Schwierigste war, nicht davonzulaufen, sondern diesen Prozess auszuhalten.“ Lili Olujic hat ausgehalten und ist gestärkt aus dieser Krise herausgekommen. In ihrer kleinen Manufaktur in Buchs produziert und verkauft sie heute „Lili’s Naturkosmetik“. Sie sagt: ich bin angekommen.

Lili's Herbarium

Lili’s Chrüütli

Sleepless Sheep: Du hast dein Hobby und deine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Das braucht Mut. Was war deine Motivation zu diesem Schritt?
Ich habe gemerkt, dass ich mir nicht mehr gerne etwas sagen lasse. Vielleicht ist das etwas krass ausgedrückt, aber ich habe Mühe mit zuviel Kontrolle und lasse mich nicht gerne in eine Schublade stecken. Ich war vergangenes Jahr wieder für kurze Zeit angestellt und da habe ich es ganz deutlich gespürt: diese Zeit ist für mich vorbei. Einerseits verlangten die viel Flexibilität von mir, andererseits wollten sie mich in ein Schema reinpressen. Das passt für mich nicht zusammen.

Warst du immer schon so freiheitsliebend?
Meine Mutter sagt, ich hätte schon immer einen harten Schädel gehabt und sei vom Typ her eine Herrscherin gewesen. Gleichzeitig war ich immer schon sehr sozial und habe gerne auf die anderen geschaut. Ich denke, ich bin ein typisches Omega-Tierli. Führen ist mir zu anstrengend, aber unterwürfig bin ich auch nicht. Am besten war ich immer, wenn ich zwar einen Vorgesetzten hatte, aber doch selbständig war und man mir in meinem Aufgabenbereich meine Freiheit liess. Ich glaube, ich war immer schon eine Art Lebenskünstlerin. Ich bin gesegnet mit einem starken Urvertrauen.

Was meinst du mit Lebenskünstlerin?
Ich folge keinem Plan, sondern meinem Herzen. Finanziell ging es mir trotzdem nie schlecht. Sicher gab es Höhen und Tiefen, aber ich konnte mich immer selber durchschlagen. Ich kenne sowohl die Tage, an denen ich jeden Rappen zweimal umkrehen musste, wie auch die anderen, an denen ich dachte: phuoo!

Wann war dein Moment, als du dir sagtest: all in!
Ich habe eine schwere Zeit hinter mir. 2010 machte ich mich zum ersten Mal selbständig. Doch privat lief es nicht so gut. Auf die Trennung von meinem Ehemann folgte ein Jahr der Traurigkeit. Das war 2014. Ich musste vieles verarbeiten und hatte keine Kraft mehr. Bevor das passierte, begann mein Geschäft mit der Naturkosmetik so richtig zu florieren. Doch aufgrund meiner Lebenskrise, ging es natürlich wieder abwärts.

Was hast du in jenem Jahr nach der Scheidung gemacht?
Nichts. Ich habe geschlafen, mich erholt, war oft draussen in der Natur. Als ich wieder zu Kräften kam, habe ich mit Tauchen angefangen und Sport getrieben. Das hat mir gut getan.

Und dann hast du dich erneut selbständig gemacht. War das eine reine Herzentscheidung? Oder gab es zuerst einen Businessplan?
Ich bin ein sehr intuitiver Mensch, bezeichne mich aber auch als Geschäftsfrau. Das heisst, ich kalkuliere, rechne und notiere alle meine Daten. Ich weiss immer, was läuft und arbeite sehr genau. Vielleicht erstelle ich auch irgendwann einen Businessplan. Dazu werde ich aber eine Fachperson zuziehen, ich bin kein Zahlenmensch.

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Du stellst all deine Produkte von Hand her. Das ist ein enormer Aufwand. Du musst einiges davon verkaufen, um über die Runden zu kommen. Ich stelle mir das schwierig vor. Macht dir das keine Angst?
Nein! Obwohl, meine Arbeitsstunden darf ich nicht rechnen (lacht). Würde ich damit anfangen, müsste ich mich fragen, was mache ich da? Mir geht es nicht um das grosse Geld, ich will kein Konzern werden. Ich will meine handgemachten Produkte anbieten, so dass meine Kunden merken: das ist Lili!

Wie kommst du an deine Kunden?
Ich verkaufe meine Produkte online (Lilis Naturkosmetik by Ansalia), bin aber auch regelmässig an lokalen und überregionalen Märkten anzutreffen. Ich bin auf Facebook vertreten und betreibe dort meinen eigenen Blog. Meine Werbung läuft in erster Linie über die Mundpropagande zufriedener Kunden. Und davon gibt es zum Glück einige (lacht).

Erzähl, was bietest du alles an?
Ich konzentriere mich auf Naturkosmetik. Das heisst, ich stelle Badebomben, Seifen, Crèmes, Massageöl, Peelings, Duschgel, Duschmilch, Lippenpomade und vieles mehr her. Es gibt aber auch Leute, die kommen für eine therapeutische Beratung zu mir. Ich stelle Kräuter- und Teemischungen her, dies gerne auch ganz individuell, auf die jeweilige Person zugeschnitten. Alles ist mit viel Liebe hergestellt. Mit ganz wenigen Ausnahmen kommen nur reine Essenzen in meine Produkte. Was uns die Natur gibt, verwende ich weiter.

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Mir fällt auf, dass deine Produkte schön bunt sind.
Ich will, dass die Leute denken, sie seien in einem Candyshop, wenn sie bei mir sind. Durch die Farben, Düfte und die Naturprodukte möchte ich Freude vermitteln. Die Leute sollen sich wohlfühlen, sobald sie meine Manufaktur betreten. So wie in einer Oase. Das ist mir wichtig.

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Wieso kannst du das alles?
Ich bin ein typischer Autodidakt und habe mir das alles selber angeeignet. Ich habe Kurse besucht, viel gelesen und immer wieder ausprobiert. Ich war auch in Indien und mein indischer Lehrer hat mir etwas gesagt, das mich geprägt hat. Er sagte: Nur was man essen kann, kommt auf die Haut. Das hat mich nachdenklich gestimmt. Ich meine, probier einmal einen Finger voll Niveacrème. Ich hab das gemacht, es hat nicht geschmeckt (lacht). Klar, ich würde auch nicht mein Mittagessen mit meiner Lavendelcrème eintauschen, aber du kannst sie mit gutem Gewissen probieren und weißt, nichts das darin enthalten ist, schadet deinem Körper. Das ist ein gutes Gefühl.

Was inspiriert dich?
Ich lese viel und ziehe viele Ideen aus dem Internet. Neulich war ich in Berlin bei einer Seifenlehrerin und auch da habe ich ganz viel gelernt. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Manchmal zeichne ich Ideen auf, manchmal mache ich mich auch direkt an die Umsetzung.

Ist der Markt nicht bereits gesättigt mit Angeboten an Naturprodukten?
Ich baue auf meine Stammkunden, die meine Produkte gerne weiterempfehlen. Diese wollen nicht einfach Naturkosmetik, sie wollen Lili’s Naturkosmetik (lacht).

Das heisst aber auch, du musst richtig Gas geben.
Absolut. Ich muss jeden Tag ran.

So wie du dir dein Leben jetzt eingerichtet hast: bist du da, wo du immer hinwolltest?
Ich bin angekommen. Ich hatte eine grosse Sinneskrise, bin fast verzweifelt, wusste nicht, wie und was ich wollte. Doch dann habe ich mir Hilfe gesucht und dieses Jahr ein Mentalcoaching absolviert. Sie hat sich alles angeschaut und mir zwei Dinge empfohlen: entweder eine Führungsposition oder Selbständigkeit. Dann habe ich ihr Fotos meiner Naturprodukte gezeigt und für sie war der Fall glasklar. Sie sagte nur: worauf wartest du? Das habe ich gebraucht. Ich habe diesen Raum hier gefunden und wusste, ich will nichts anderes machen. Hier kann ich meine Kreativität, meine Sinnlichkeit ausleben. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Seit ich hier bin, blühe ich auf wie eine Blume.

Du bist gestärkt aus dieser Krise gekommen.
Absolut. Das Schwierigste an diesem Prozess war, ihn auszuhalten. Nicht zu flüchten. Das machte mich fast wahnsinnig, denn ich bin sehr ungeduldig mit mir. Aber ich musste es aushalten.

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Wie sieht dein Alltag heute ganz konkret aus?
Ich koche drei Tage pro Woche im Restaurant Soulfood in Buchs. Nachdem ich auf der Website von Sleepless Sheep die „What’s your Story“ über Andy Schwarz und sein Restaurant gelesen hatte, ging ich mit einer Freundin dort essen. Daraus hat sich jetzt diese Zusammenarbeit ergeben, ein schöner Zufall. Unsere Ansichten über Genuss und Essen, Natur und Sinnlichkeit, passen perfekt zusammen. Die restlichen Tage bin ich hier in meiner Manufaktur. Ich produziere, kümmere mich ums Marketing, verkaufe, berate und lasse mich inspirieren. Meine Türen sind jederzeit offen, bei mir sind alle willkommen.

Was ist dein Ziel?
Ich habe einen zusätzlichen Raum im Auge, den ich gerne mieten möchte, damit ich meine Produkte schön ausstellen kann. Ich möchte irgendwann zwei, drei Leute anstellen. Jemanden für das Bestell- und Verpackungswesen und jemanden, der für mich auf die Märkte geht. Dann kann ich mich nur noch um die Produktion kümmern. Eine grosse Küche wäre auch schön. Ich weiss, dass ich das alles erreichen werde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Lili’s Naturkosmetik
Technikumstrasse 14
9470 Buchs

www.lilis-naturkosmetik.ch

Die Öffnungszeiten:
jeweils Dienstagnachmittag und Donnerstagnachmittags von 14 bis 18.30 Uhr
Samstags auf Anfrage

Eröffnungsapéro am 25. April von 11 bis 17 Uhr

Text und Fotos: Sleepless Sheep

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