Melanie & Michiel

What’s your Story

Wer sagt denn, dass es all die Kreativen, die Künstler, die Jung-Unternehmer und die Quer-Denker weg vom Land, hinein in die Städte dieser Welt zieht? Wer behauptet, wir auf dem Land seien träge, zögerlich, immer ein paar Jahre zu spät dran? Sleepless Sheep porträtiert in der Rubrik „What’s your Story“ interessante, spannende, authentische Menschen unserer Region, die viel Herzblut in ihr Projekt stecken und uns inspirieren. Möge sich „What’s your Story“ fleissig vermehren und verbreiten und ganz viele Menschen inspirieren.

#Porträt 6

Gemeinschaftspraxis
Melanie Schöb & Michiel Twiss

Sie leben zusammen und sie arbeiten zusammen. Und das, obwohl sie beide ihren „eigenen Kopf“ und einen ausgeprägten Freiheitsdrang haben. Melanie Schöb und Michiel Twiss sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Power-Paar: Sie nahm als Sechsjährige an ihrem ersten Städtlilauf teil und schaffte es bis ins Schweizer Mittelstrecken Nationalkader, bis eine Knieverletzung sie zum Umdenken zwang. Er war leidenschaftlicher Snowboarder und Schweizer Meister im Thaiboxen. All die Marathons und Ultra-Marathons aufzuzählen, die der Holländer allein in den vergangenen Jahren absolvierte, würde hier den Rahmen sprengen. Gemeinsam betreiben Melanie und Michiel seit September 2011 eine Gemeinschaftspraxis im Buchser Quartier Altendorf. Im Gespräch geht es natürlich um Sport. Aber auch darum, weshalb weniger manchmal eben mehr ist.

Alle Informationen Angebot von Melanie und Michiel gibt es hier:
http://www.treatment-boutique.ch/
http://twiss-ageility.ch/

 

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Die  Wirkung der IHHT-Methode (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie): Mehr Zellenergie (ATP) . Mehr Schutz vor oxidativem Stress durch Stimulation des körpereigenen Q10 . Stärkung des Immunsystems . Steigerung der Konzentrationsfähigkeit . Steigerung der physischen und mentalen Leistungsfähigkeit . Verbesserung der Stressresistenz . Verkürzung der Regenerationszeiten . Unterstützung bei Gewichtsabnahme durch Aktivierung des Fettstoffwechsels . Balancierung der Hormonproduktion

Sleepless Sheep: Ihr habt in den vergangenen Wochen nochmals richtig in eure Gemeinschaftspraxis investiert. Was genau habt ihr gemacht?
Melanie: Unser Praxis war bisher offiziell eine Wohnung mit Küche und allem drum und dran. Durch den Umbau wurde aus unserer Praxis eine richtige Praxis und wir können den Platz jetzt sinnvoll für unsere Arbeit nutzen.
Michiel: Wir haben im September 2011 klein angefangen. Damals wussten wir noch nicht genau, wie es anlaufen würde. Aber innerhalb dieser vier Jahre konnten wir unser Geschäft seriös aufbauen und jetzt – nach vier Jahren – fühlten wir uns bereit für den Umbau und die Investitionen in die neuen Geräte.

Was sind das für Geräte?
Michiel: Wir haben unter anderem in ein Anti-Schwerkraft-Laufband investiert. Das ist das Neuste aus dem Rehabilitations-Bereich. In der Schweiz gibt es davon nur 14 Stück. Wir sind die einzige Privatpraxis der Schweiz, die diese Art von Training anbietet, die restlichen Geräte stehen in Spitälern und grossen Reha-Kliniken.

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Was genau ist ein Anti-Schwerkraft-Laufband und was bringt es?
Michiel: Das ist ein Laufband, bei dem du die Gewichtsbelastung reduzieren kannst. Man kann damit das eigentliche Körpergewicht bis auf 20 Prozent entlasten. Das heisst, jemand mit einem Körpergewicht von 100 Kilogramm hat nur noch eine Belastung von 20 Kilogramm. Das ist für die Gelenke natürlich viel schonender. Sinnvoll ist diese Methode zum Beispiel für Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern wie MS oder Parkinson. Aber auch Patienten, denen das Gehen nach einem Hirnschlag schwerfällt, oder die Balance-Probleme haben, können von diesem Anti-Schwerkraft-Laufband profitieren. Generell ist es geeignet für alle Patienten mit Gehschwächen und Gehschwierigkeiten aller Art. Allerdings wird die Maschine auch von gesunden Sportlern sowie von Top Sportvereinen wie AC Milan oder Bayern München genutzt. Läufer können zum Beispiel das Überspeed Training machen, wodurch sich die Lauftechnik bei höheren Geschwindigkeiten verbessern lässt. Schweizer Topsportler wie Dario Cologna, Beat Feuz oder Dominik Gisin nutzen das spezielle Laufband für ihre Trainings und die Reha. Nicola Spirig hat sogar eine Maschine für sich allein. Auch schwer übergewichtige Menschen profitieren davon. Durch die gezielte Entlastung der Gelenke kann die Geh- oder Laufgeschwindigkeit beim gleichen energetischen Aufwand (Energieverbrennung) betrieben werden.

Ist das Reha-Training euer Spezialgebiet? Oder anders gefragt: wer kommt in eure Gemeinschaftspraxis?
Michiel: Ich selber bin als Physiotherapeut tätig und mache derzeit eine Ausbildung kPNI (klinischer Psycho-Neuro-Immunologie). Diese unglaublich spannende Ausbildung spezialisiert sich auf die Behandlung von Patienten mit Krankheitsbildern, welche in Zusammenhang stehen mit chronischen Entzündungen. Die sogenannten „niedriggradigen“ Entzündungen stehen in Verdacht, für viele westliche Wohlstandskrankheiten verantwortlich zu sein.
Melanie: Ich biete in meiner Treatment Boutique Better-Aging Zelltraining an mit der IHHT-Methode (siehe Bild oben). Auch biete ich Gruppen- und Privat-Yogastunden, aber auch verschiedene Massagen und die FST Faszien Stretch Therapie an. Wir gingen ja 2013 nach Amerika und haben diese Weiterbildung absolviert. Das hat wahnsinnig eingeschlagen. FST hat uns enorm gutes Feedback der Leute eingebracht. Wir sind übrigens die ersten und bisher einzigen FST Therapeuten in der Schweiz und in Liechtenstein. Dabei ist das Thema Faszien keinesfalls ein neuer Trend. In Amerika wird schon lange damit gearbeitet. Aber bei uns kommt das Thema erst jetzt so richtig auf. Man liest darüber in Fachzeitschriften und auch im GEO war neulich ein grosser Artikel darüber.

Ihr habt das rechtzeitig erkannt und seid extra für die Ausbildung in die USA gereist.
Melanie: FST ist in den USA seit Jahren ein grosses Thema. Es ist enorm, wie viele Profisportler diese Art von Therapie für sich entdeckt haben. Allerdings bieten die Amerikaner die Ausbildungen bis jetzt nur in englischer Sprache an. Es wird noch kein deutschsprachiger Kurs angeboten.

Warum hat euch diese Art von Therapie dermassen überzeugt?
Michiel: Ich hatte einen Patienten mit schwerer Parkinsonproblematik. Der hatte in Amerika einen Trainer, der mit Faszien arbeitete. Er hat mir darüber erzählt, ich habe mich genauer informiert und schnell gemerkt, dass das genau das Richtige ist für uns. Wir versuchen nun, FST hier zu etablieren. Mitterweile waren wir schon ein zweites Mal in den Staaten. Wir freuen uns schon auf den dritten Teil der Ausbildung.
Melanie: Der ganze Aufwand hat sich absolut gelohnt. Wir konnten das Gelernte schon gut anwenden. Grad kürzlich kam wieder ein wunderbares Feedback eines Patienten.

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Ihr seid ein unglaublich sportliches Paar und in dieser Hinsicht auch ambitioniert. Nun arbeitet ihr aber den ganzen Tag mit Menschen, die weniger ambitioniert oder beeinträchtigt sind. Wie schafft ihr diesen Spagat?
Michiel: Ich muss zugeben, dass ich diesen Spagat am Anfang schon wahrgenommen habe. Es gab immer wieder up’s und down’s. Ich fragte mich, kriege ich das alles hin? Es gab Momente des Zweifels. Aber das gehört doch dazu. Immer mehr kam dann die Gewissheit: es funktioniert, es kommt gut. Am Ende war ich froh um die ganze Zeit, die ich in den Aufbau des Projekts gesteckt habe. Ich stufe die Menschen auch nicht nach ihrem sportlichen Niveau ein. Jeder gibt schliesslich sein Bestes. Das ist es, was zählt. Ich sehe ja, was ich selber brauche, um mich zu motivieren und weiterzubringen. Das kostet Mühe und Zeit und Arbeit und genau das möchte ich weitervermitteln. Ob die Person nun 20 oder 50 oder 70 ist, jeder muss hart arbeiten, um seine persönlichen Ziele zu erreichen. Menschen wollen sich bewegen, wollen glücklich sein. Mir ist klar, dass jemand, der das nicht uneingeschränkt kann, manchmal frustriert ist. Deshalb möchte ich den Leuten erklären, dass sie mit relativ wenig Aufwand, relativ viel erreichen können. Diese Mentalität „weniger ist mehr“ ist in Europa noch nicht ganz angekommen. Man spricht natürlich darüber, aber in der Praxis funktioniert es noch nicht so.

Ist das Motivieren deine grösste Stärke?
Michiel: Ich will es nicht motivieren nennen. Aber ich habe mir in den vergangenen Jahren ein Expertenwissen angeeignet. Dieses Wissen möchte ich meinen Patienten vermitteln. Ich muss nicht immer neben den Leuten stehen und permanent motivieren. Das richtige Wissen vermitteln, erklären wie und warum etwas funktioniert, was es braucht, damit du weiterkommst… das reicht. Dann geht es von selber.
Melanie, was ist deine Rolle in dieser Praxisgemeinschaft?
Ich höre oft von den Leuten, dass ich eine einfühlsame Art habe. Sie schenken mir sehr viel Vertrauen. Das heisst ich kreiere gerne Nähe, wahre aber immer auch die nötige Distanz. Michiel und ich sind grundsätzlich sehr positive Menschen, das erleichtert das Arbeiten unter einem Dach enorm.

Eure Konstellation ist recht speziell: ihr lebt und arbeitet zusammen, habt euch gleichzeitig gemeinsam selbständig gemacht. Das braucht Mut. Wie war das?
Michiel: Ich war damals eher der Drahtzieher, wollte mich zuerst selbständig machen. Durch gewisse Umstände wurde die Selbständigkeit plötzlich auch für Melanie ein Thema.
Melanie: Meine Entscheidung ist damals innerhalb von vier Tagen gefallen. Aber die Überzeugung war von anfang an da: wir packen das! Allerdings sind wir innerhalb dieser Gemeinschaftspraxis eigenständig unterwegs. Wir haben zwei verschiedene Logos. Jeder kann auf seinem Gebiet seine ganze Kreativität ausschöpfen.
Michiel: Jeder von uns hat seinen eigenen Kopf, seine eigenen Ideen. Das ist auch gut so. Trotzdem fliessen unsere unterschiedlichen Gebiete optimal ineinander.
Melanie: Jeder kann vom anderen profitieren. Aber wir haben unsere eigenen Arbeitsräume, die wir auch individuell gestalten.

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Ihr seid also auch sehr freiheitsliebend?
Melanie: Absolut. Wir verbringen Stunden in unserer Praxis, sind sehr gerne hier. Aber wir haben beide einen gesunden Egoismus. Uns ist wichtig, dass wir selber zu unseren Sporteinheiten kommen und dass wir genügend Freizeit haben. Das ist uns absolut wichtig, damit wir auch wieder happy unserer Arbeit nachgehen können.

Das hört sich nach einer perfekten Life-Work-Balance an. Wie schafft ihr es, das in die Praxis umzusetzen?
Melanie: Wie gesagt, ich habe diesen gesunden Egoismus. Ich muss zuerst selber funktionieren, sonst kann ich das nicht weitergeben.
Michiel: Es gibt dieses coole Zitat von Goethe: „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor.“ Ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden bin, aber ich bin irgendwie nie fertig. Ich sehe immer Möglichkeiten zum Optimieren.
Melanie: Aber das ist ja auch das schöne an der Selbständigkeit. Wenn wir wollen, können wir all unsere Ideen umsetzen und uns entfalten.
Michiel: Absolut. Ich kann mich in sportlicher Hinsicht entfalten und im Beruf. Das geht für mich beides in einen Topf. Und doch merke ich, dass ich immer wieder zurückfalle und noch mehr möchte. Momentan bin ich einfach sehr fokussiert auf mein Studium und die Weiterbildung. Irgendwann werden es vielleicht wieder mehr eigene, sportliche Projekte sein.

Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, was wäre das? Dream big!
Michiel: Gute Frage. Das ist irgendwie so unrealistisch. Ich denke, ich würde sehr viel zusätzliche Zeit in Ausbildung investieren. Gleichzeitig würde ich den guten Kontakt zu den Patienten behalten. Ich würde nicht weg wollen von dieser Praxis.
Melanie: Wir bilden uns extrem gerne weiter. Wir wollen lernen, lernen, lernen.

Täusche ich mich, oder beschreibt ihr mir genau das Leben, das ihr lebt?
Michiel: Stimmt. Wir hätten einfach gerne noch ein bisschen mehr Zeit für alles (lacht.)

Könnt ihr abschalten? Mal nicht über Sport oder die Praxis reden?
Melanie: Auf jeden Fall. Wenn wir Ferien machen, dann machen fast keinen Sport. Wir lesen, schlafen, essen und trinken viel (lacht.). Wir haben einmal fünf Wochen am Stück Inselleben genossen, fast ohne Sport. Das war wunderbar.

Ihr seid Fachleute im Gesundheitswesen. Habt ihr so etwas wie eine Botschaft an die Leser? Was wollt ihr den Leuten gerne sagen?
Melanie: Wir sind doch keine Prediger (lacht.) Aber wir freuen uns, wenn wir unsere Philosophie, unseren gesunden Lifestyle, weitervermitteln können. Wir leben so gut es geht in Achtsamkeit. Wir ernähren uns bewusst, trainieren bewusst, erholen uns bewusst. Trotzdem wissen wir natürlich: nur weil das für uns stimmt, muss das noch lange nicht für alle stimmen.
Michiel: Viele, gerade junge Erwachsene, wollen ihre Ziele immer schnell, schnell erreichen. Ich habe manchmal den Eindruck, heute müsse überhaupt alles ganz schnell gehen. Essen muss schnell gehen, man muss seine Arbeit schnell erledigen, möchte schnell Erfolg haben, schnell seine Ziele erreichen…. man lässt sich wenig Zeit, alles muss flexibel und schnell sein. Meine Botschaft wäre vielleicht, dass alles eine gewisse Zeit braucht. Albert Schweizer sagte einst: „was langsam reift, das altert lang“. Um das geht es bei mir immer wieder.

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Das ist eigentlich entgegen dem Trend, der heute in der Fitnessbranche vorherrscht. Da wird ja oft versprochen: wenn du zwei Mal pro Woche je zehn Minuten so und so trainierst, dann hast du in vier Wochen einen Sixpack.
Michiel: Schön wär’s! Klar kann sich ein junger, erfahrener Kraftsportler – wie ich (lacht) –  in kurzer Zeit, sagen wir vier bis sechs Wochen, schön aufpumpen. Das verändert sicherlich das Erscheinungsbild. Ringer zum Beispiel können in einem einzelnen Training von rund 90 Minuten einen Gewichtsverlust von zwei bis sogar fünf Kilogramm erreichen. Doch da gehen nur Wasser und Glykogen verloren, aber keine grossen Mengen an Fett oder Muskulatur. Ebenso lässt sich Gewebe nicht schnell antrainieren, das braucht Zeit. Doch leider lassen sich viele Menschen von leeren Versprechungen überreden. Aber: von einer Million Menschen verletzten sich 400’000 beim Sport. Warum ist das so? Weil sie in kurzer Zeit etwas versuchen zu erreichen, für das sie im Grund viel mehr Zeit benötigen würden. Die Muskulatur lässt sich schnell aufbauen. Die Sehnen aber nicht. Und die Knorpel auch nicht. Und wenn du dazu noch Übergewicht oder einen hohen Blutdruck hast und ein Fitnesszenter verspricht dir, dass du in drei Monaten zehn Kilos abnehmen kannst, dann ist das vom Gedankengang her zwar richtig, aber es ist zu schnell gewollt und verursacht dann häufig Beschwerden und Schmerzen. Ich sehe das häufig bei meiner Arbeit.
Melanie: Sport soll doch in erster Linie Freude machen und nicht Qualen bereiten. Man soll langsam rangehen, Veränderungen bewusst spüren und dann sind neun oder zwölf Monate Training plötzlich vorbei, weil es einfach locker gegangen ist und Freude bereitete.

Was sind eure Zukunftpläne?
Michiel: Wir starten jetzt richtig durch (lacht.)
Melanie: Die Grundbausteine haben wir jetzt gelegt, jetzt wollen wir darauf aufbauen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Sleepless Sheep Productions
Bilder: Stefan Kaiser und Sleepless Sheep Productions

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